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Alvin Lucier

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Amerikanischer Komponist, geboren am 14. Mai 1931 in Nashua, New Hampshire. Er studierte in Yale und Brandeis Komposition und nahm an den Sommerfestivals in Tanglewood teil. Nach seinem Abschluss verbrachte er die Jahre 1960 bis 1962 als Fulbright-Stipendiat in Venedig und Rom.



In Venedig studierte er am Conservatorio Benedetto Marcello und besuchte Konzerte von John Cage und David Tudor. In Mailand machte Alvin Lucier in Luciano Berios elektronischem Studio di Fonologia Musicale kurze Versuche mit Tonbandkompositionen.

 

Zurück in den USA leitete Lucier in Brandeis von 1963 bis 1970 den The Brandeis University Chamber Chorus, mit dem Lucier die LP "Extended Voices" (Odyssey, 1967) aufnahm. Darauf fand sich neben Werken von Pauline Oliveros, John Cage, Robert Ashley, Morton Feldman und Toshi Ichiyanagi auch Luciers eigene Komposition "North American Time Capsule 1967".

 

1965 hatte Lucier zudem auf Anregung des Physikers Edmond Dewan mit tieffrequenten Gehirnwellen als Soundquelle experimentiert. Er schrieb dafür die Kompositon "Music for Solo Performer". Durch die Konzerttätigkeit des Chors lernte er die Komponisten Robert Ashley und Gordon Mumma sowie Künstler aus dem Umkreis um John Cage kennen.

 

John Cage, der von Lucier zu einem Konzert in der Universität Brandeis eingeladen worden war, forderte ihn auf, selbst ein Werk beizusteuern und assistierte bei der Uraufführung des Stückes. Lucier selbst betrachtet "Music for Solo Performer" als den Beginn seiner Arbeit als eigenständiger Komponist. Zwei Versionen dieses Stücks von Lucier bzw. von Pauline Oliveros erschienen auf einer LP (Lovely, 1982).

 

1966 gründete er mit Robert Ashley, Gordon Mumma und David Behrman die Sonic Arts Union, ein Komponistenkollektiv, das bis 1976 gemeinsam tourte und Konzerte vor allem im Bereich der Live-Elektronik gab, aber keine gemeinsamen Stücke realisierte. Von 1970 bis 2010 lehrte er an der Wesleyan University.

 

Lucier erforscht in seinen Arbeiten das Wesen und die Wirkung akustischer Klänge. 1970 liess er für sein wohl berühmtestes Werk "I Am Sitting In A Room" einen 80 Sekunden langen Text in einem Raum sprechen und aufnehmen. Die Aufnahme wurde abgespielt und der Text gleichzeitig noch einmal gesprochen und aufgenommen. Nach 32 Mal entstand eine Art Melodie.

 

Das 45:21-minütige Werk kam auf einer gleichnamigen LP (Lovely, 1981) erstmals in seiner ganzen Länge heraus. Zuvor war es zusammen mit Werken anderer Komponistinnen und Komponisten auf der Doppel-10"-EP "Source: Music Of The Avant Garde Issue Number 7/8" (Composer /Performer Edition, 1970) erstmals öffentlich zugänglich gemacht worden.

 

Eine erste Aufnahme mit eigenen Werken war die LP "Bird And Person Dyning" (Cramps, 1976). Lucier (vcl) und Nicolas Collins (synth, elect) interpretierten darauf mit Ron Kuivila (elect) das Titelstück von 1975 sowie mit Stuart Marshall (synth) das Werk "The Duke Of York" (1971).

 

Ein anderes wichtiges Werk heisst "Music On A Long Thin Wire". Bei dieser Klanginstallation von 1977 wurden die Schwingungen eines 16 Meter langen Drahts elektronisch aufgezeichnet und in Töne umgewandelt. Das Stück erschien erstmals auf einer gleichnamigen Doppel-LP (Lovely, 1980). Auf dem selben Label folgten in den 1980er und 1990er Jahren viele weitere Aufnahmen.

 

Für das Titelstück der LP "Sferics" (Lovely, 1988) fing Lucier die Schwingungen von Radiowellen oder Blitzen ein und transformierte sie in hörbare Klänge. "Crossings - Three Works For Classical Instruments And Oscillators" (Lovely, 1990) enthielt drei Werke, bei denen das herkömmliche Instrumentarium jeweils durch einen Sinusgenerator erweitert wurde.

 

"Panorama" (Lovely, 1997) enthielt die Kompositionen "Panorama" (1993), "Wind Shadows" (1994), "Music For Piano With One Or More Snaredrums" (1990) sowie "Music For Piano With Amplified Sonorous Vessel" (1990), alle eingespielt von Roland Dahinden (tb) und Hildegard Kleeb (p).

 

Die beiden führten 1997 in Zug mit dem Arditti String Quartet das Werk "Small Waves" (1997) basierend auf der Basis des Rückkoppelungseffekts, erstmals öffentlich auf. Die Tonhöhen dieser Soundquelle konnten verändert werden, indem die Wassermengen in sechs auf der Bühne stehenden Glasgefässe stetig verändert wurden.

 

Dabei entstand eine Interaktion zwischen mikrotonalen Klangstrukturen der einzelnen Instrumentalisten und der Soundquellen. "Small Waves" erschien zusammen mit "Navigations For Strings" - einer Komposition von 1991 für Streichquartett, Posaune, Klavier und zwei Wasserbehälter - auf einer gleichnamigen CD (Mode, 2003). Ausführende waren erneut das Arditti Quartet, Dahinden und Kleeb.


Die Doppel-CD "Wind Shadows" (New World, 2005) war eine Werkschau und enthielt ältere und neue Werke, gespielt vom Barton Workshop. Mit diesem Ensemble arbeitete Lucier längere Zeit zusammen. Das Zeitkratzer Ensemble widmete sich auf "Old School: Alvin Lucier" (Zeitkratzer, 2010) dem Schaffen von Lucier. Später veröffentlichte Zeitkratzer auf der LP "Alvin Lucier" (Karlrecords, 2022) weitere Stücke des Komponisten.

 

"Illuminated By The Moon" (ZHdK, 2017) bestand aus vier LP und einer CD mit Liveaufnahmen, die zwischen dem 12. und 14. Oktober 2016 bei einem Festival aus Anlass des 85. Geburtstages von Alvin Lucier mitgeschnitten worden waren. Werke von Alvin Lucier sind auf rund 100 Aufnahmen verfübar.

 

Alvin Lucier starb am 1. Dezember 2021 90-jährig in Middletown, Connecticut. Auch nachträglich riss der Strom der Veröffentlichungen nicht ab.                                                                                 02/25

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